Originalillustration zu Lystras archäologischen Schichten

Lystra: eine im Hügel verborgene Stadt.

Der etwa einen Kilometer nördlich von Hatunsaray gelegene Zoldura-Hügel ist die vielschichtige, mit dem antiken Lystra identifizierte Siedlung.

Identität und Lage

Lystras Bedeutung reicht über seine römische Kolonieidentität und frühchristliche Überlieferung hinaus; sie liegt auch in der Siedlungskontinuität von frühen bis in spätere Zeiten.

Künstlerische Interpretation möglicher räumlicher Schichten Lystras
Eine Siedlung auf einem Hügel

Der heute sichtbare Hügel ist das Ergebnis langer Besiedlung.

Der Zoldura-Hügel erstreckt sich etwa 740 Meter von Ost nach West und 650 Meter von Nord nach Süd. Seine Höhe von rund 31,7 Metern spiegelt die Ablagerung kultureller Schichten verschiedener Zeiten.

Diese Maße zeigen, dass Lystra nicht als kleines Heiligtum oder Einzelbau verstanden werden kann. Der Hügel ist mit den umliegenden Flachsiedlungsflächen zu betrachten.

Was Lystra bedeutend macht

Vier historische Dimensionen.

Die Bedeutung entsteht aus den militärischen, administrativen, religiösen und regionalen Rollen verschiedener Epochen.

01

Strategische Geografie

Die Lage zwischen Zentralanatolien und südlichen Routen verband die Region mit Bewegungs- und Kommunikationsnetzen.

02

Römische Kolonie

Als Colonia Iulia Gemina Felix Lystra war die Stadt Teil von Roms Militär- und Verwaltungsordnung und der augusteischen Kolonisationspolitik.

03

Frühes Christentum

Die mit Paulus, Barnabas und Timotheus verbundene Texttradition machte Lystra zu einem bekannten Zentrum christlicher Geschichte.

04

Spätantike Stadt

Monumentale Sakralarchitektur und Bischofssitz zeigen Lystras regionales Gewicht in der Spätantike.

Text und materielle Kultur

Religionsgeschichte umsichtig vermitteln.

Die neutestamentlichen Lystra-Berichte erklären die religionsgeschichtliche Rolle. Ein historischer Text ist jedoch kein archäologischer Fund; beide Quellenarten können sich ergänzen, aber nicht ersetzen.

Paulus und Barnabas

Der Text schildert die Ankunft zweier frühchristlicher Gestalten und ihre Begegnungen in Lystra.

Timotheus

In christlicher Tradition gehört Lystra zu den Orten aus dem Umfeld von Timotheus, Paulus’ Reisegefährten.

Bischofssitz

Die spätere Nennung als Bischofszentrum belegt die Kontinuität religiöser Bedeutung.

Lystra auf der Karte

Eine Route vom östlichen Mittelmeer nach Lykaonien.

Die erste Reise in Apostelgeschichte 13–14 führt über Zypern, Pamphylien und Zentralanatolien nach Lystra und anschließend erneut zu denselben Binnenstationen.

Originale Kunstkarte der ersten Reise vom östlichen Mittelmeer über Zypern und Südanatolien nach Lystra
Regionale Ansicht der ersten ReiseDie dunkelrote Markierung bezeichnet Lystra, die helle Linie den Rückweg.
Lystra auf Münzen

Name und Symbole der Stadt im Metall.

Die in Lystras Namen geprägten römischen Provinzialmünzen waren mehr als Zahlungsmittel. Herrscherporträts, Kolonietitel, Landwirtschafts- und Göttinnenbilder zeigen politische Identität und Selbstdarstellung.

Originale künstlerische Darstellung des Lystra-Münztyps aus Marcus Aurelius’ Zeit als Caesar mit der Wölfin, Romulus und Remus
01 · RPC IV.3 7265

Marcus Aurelius · Caesar Datierung: ca. 147–161 n. Chr.

Roms Gründungssymbol in Lystra.

KupferlegierungDurchschn. 17 mmDurchschn. 3,54 g
  • Vorderseite

    Der unbekränzte Kopf des jungen, kurzbärtigen Marcus Aurelius blickt nach rechts. Der Titel „Caesar“ verweist auf seinen Rang vor der Kaiserherrschaft.

  • Rückseite

    Eine Wölfin steht nach rechts und wendet den Kopf nach links; unter ihr säugt sie Romulus und Remus. Das römische Gründungsbild verbindet Lystras Kolonieidentität direkt mit Rom.

Vorderseitenlegende
CAESAR AVRELIVS
Rückseitenlegende
COLONIAE LVSTRA
Originale künstlerische Darstellung von Vorder- und Rückseite eines Lystra-Münztyps aus der Herrschaft von Augustus
02 · RPC I 3538

Augustus Herrschaft: 27 v. Chr.–14 n. Chr.

Eine Pflugszene als Ausdruck kolonialer Identität.

KupferlegierungDurchschn. 26 mmDurchschn. 10,53 g
  • Vorderseite

    Der lorbeerbekränzte Kopf des Augustus blickt nach links; hinter dem Porträt erscheint ein Füllhorn.

  • Rückseite

    Ein Kolonist schreitet mit einem von zwei Buckelrindern gezogenen Pflug nach links. Die Szene symbolisiert Koloniegründung und Landbezug.

Vorderseitenlegende
IMPE AVGVSTI
Rückseitenlegende
COL IVL FEI GEM LVSTRA
Originale künstlerische Darstellung von Vorder- und Rückseite eines Lystra-Münztyps aus der Herrschaft von Titus
03 · RPC II 1606A

Titus Herrschaft: 79–81 n. Chr.

Kaiserporträt und Athena.

KupferlegierungDurchschn. 19 mmDurchschn. 4,43 g
  • Vorderseite

    Das lorbeerbekränzte Porträt des Titus blickt nach rechts. Name und Titel stehen in der Umschrift.

  • Rückseite

    Eine Büste der Athena mit Helmbusch blickt nach links. Der Typ verbindet Lystras römische Identität mit der klassischen Schutzgöttin.

Vorderseitenlegende
IMP T CAE AVG [VESP]AS
Rückseitenlegende
COL IVL LVS
Originale künstlerische Darstellung von Vorder- und Rückseite eines Lystra-Münztyps aus der Herrschaft von Antoninus Pius
04 · RPC IV.3 7264

Antoninus Pius Herrschaft: 138–161 n. Chr.

Getreide, Fülle und Ceres/Demeter.

KupferlegierungDurchschn. 28 mmDurchschn. 11,41 g
  • Vorderseite

    Das lorbeerbekränzte, bärtige Porträt des Antoninus Pius blickt nach rechts.

  • Rückseite

    Die verschleierte Ceres/Demeter sitzt nach links, hält Mohn und zwei Ähren sowie ein langes Zepter. Mit dem kleinen Altar betont die Komposition Landwirtschaft und Fülle.

Vorderseitenlegende
ANTONINVS AVG PIVS P P TR P COS IIII
Rückseitenlegende
CERERIS COL LVSTRA

Hinweis zu Bildern und Maßen

Die Bilder sind keine Museums- oder Auktionsfotos, sondern neue künstlerische Darstellungen nach wissenschaftlichen Katalogbeschreibungen. Sie kopieren weder einen bestimmten Grabungsfund noch eine einzelne Münze. Durchmesser und Gewichte sind Typmittel katalogisierter Stücke; Originale können abweichen.

Die Lystra-Erzählung in der Kunst

Paulus’ Spuren in Lystra.

In der Apostelgeschichte stehen die Begegnungen von Paulus und Barnabas, eine Heilung und ihr Versuch, ein Opfer zu verhindern, im Mittelpunkt. Diese Szenen wurden über Jahrhunderte in verschiedenen Kunsttraditionen neu gedeutet.

Originalillustration von Paulus und Barnabas vor der Menge in Lystra
Begegnung in LystraKünstlerische Interpretation nach der Textüberlieferung
Künstlerische Ganzfigurdarstellung des heiligen Paulus
GanzfigurinterpretationMit Buch und Lehrgestus
Künstlerisches Halbfigurenporträt des heiligen Paulus
PorträtinterpretationVon später Ikonografie inspiriert

Hinweis zur künstlerischen Darstellung

Die Paulusbilder sind neue Zeichnungen nach späteren ikonografischen Traditionen. Sie sind weder zeitgenössische Porträts noch in Lystra gefundene archäologische Objekte.

Hinweis zur Bildverwendung

Landschaftsbilder zum möglichen Erscheinungsbild von Zoldura-Hügel und Lystra sind atmosphärische Kunstinterpretationen, keine gesicherten Rekonstruktionen oder Dokumente. Kilistra-Zeichnungen erscheinen nur im Abschnitt zur Unterscheidung beider Orte.

Illustration der Kulturlandschaft von Hatunsaray und Lystra
Zwei oft verwechselte Orte

Lystra ist nicht Kilistra.

Lystra ist der Zoldura-Hügel bei Hatunsaray. Kilistra ist eine andere Siedlung um Gökyurt, an anderem Ort und mit eigenem historischen Charakter. Trotz ähnlicher Namen sind geografische und archäologische Identität verschieden.

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Hatunsaray · Lystra.